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GESCHICHTE DER BILDREPRODUKTION


Folgend wird die Geschichte der Bildreproduktion im 19. und 20. Jahrhundert in der Weise erläutert, als die wichtigsten Errungenschaften und Fortschritte in den einzelnen Bereichen aufgezeigt werden.

UM DIE JAHRHUNDERTWENDE

•    Hochdruck
Die konventionelle Farbauszugstechnik gemeinsam mit dem Beruf des Lithografen war bereits um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. vorhanden. Von der Wiener Klischeeanstalt Angerer & Göschl (heute Firma Grapho) wurde das autotypische Rasterverfahren für die Farbreproduktion erfunden.
Die Umwandlung einer Halbtonvorlage in ein gerastertes Bild erfolgte in der Rasterfotografie, wobei das Endprodukt immer ein Film war; als Autotypie bezeichnete man die Original-Druckplatte aus Metall für den Hochdruck.

- Das Klischee
Im Hochdruck war für das Drucken von Bildelementen wie Fotos oder Zeichnungen ein so genanntes „Klischee“, welches im 19. Jahrhundert erfunden wurde, notwendig.
Jedes Klischee musste für den Druckvorgang in eine bestimmte, einheitliche Druckhöhe gleich der Schrift gebracht werden. Dabei handelte es sich um eine internationale Normhöhe, von der ausschließlich die Staatsdruckerei abwich.
Um leichte Höhenunterschiede innerhalb der Druckform auszugleichen, wurde diese Normhöhe durch unterschiedlich hohe Metallstege erreicht.
Einzelne Lettern druckten zu schwach aus, weil sie bereits abgenutzt waren oder Bildformen zu flau waren. Aufgabe des Druckers war es nun, durch fein abgestimmtes Unterlegen schwach druckender Stellen mit dünnem Seidenpapier ein gleichmäßiges und damit sauberes Ausdrucken zu gewährleisten: Zarte Druckformenteile mussten zum ordentlichen Ausdruck entlastet werden.

Als Mittler zwischen der harten Druckform und dem Gegendruckkörper diente der so genannte Aufzug, welcher aus mehreren Lagen Papier, Karton und einem Spannbogen bestand. Durch den Aufzug wurde zwischen eingefärbter Form und dem Bedruckstoff ein enger und flexibler Kontakt hergestellt, so dass der Farbfilm ca. 1:1 gespalten und auf den Bedruckstoff übertragen wurde. Ein zeitaufwendiger Zurichtungsvorgang war deshalb notwendig.
Dabei war für den Kunstdruck ein Standardraster von 48 und ein 24er Raster für den Zeitungsdruck üblich. Im Gegensatz dazu druckt man heute mit 48-60er Raster im Zeitungs- und 60-70er Raster im konventionellen Druck.
Um die nichtdruckenden Stellen des Klischees zu vertiefen, entwickelten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Methoden.

•    Siebdruck
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts gelangten durch die Weltausstellungen die japanischen Katagami, eine Durchdruckmethode zum Einsatz, wobei mittels kunstvoll geschnittener Schablonen aus imprägniertem Maulbeerfaser-Papier zuerst mit Haaren und später mit Seide die Schablonenelemente stabilisiert wurden, nach Europa und in die USA. Vor allem in den USA entwickelten sich bald Versuche in diese Richtung. Dabei verwendete man mit Seide bespannte Rahmen, um die Schablone zu tragen.

•    Tiefdruck
Zur Zeit der Jahrhundertwende wurde die von Karl Klietsch aus Böhmen erfundene Heliogravüre durch den Wiener Maler Theodor Reich wieder neu entdeckt und teilweise verbessert. Dabei handelte es sich um folgendes Prinzip:
Eine plangeschliffene, polierte und entfettete Kupferplatte wurde in einem Staubkasten mit Harzpulver beschichtet. Sobald die Staubschicht dick genug war, wurde sie über einer Flamme erweicht. Nach dem Erkalten war das Staubkorn mit der Plattenoberfläche fest verbunden. Überall dort, wo das angeschmolzene Harzkorn die Oberfläche schützte, konnte keine Säure einwirken, wobei es sich um eine abgestufte Eisen(III)-chloridlösung handelte. Die unbedeckten Metallstellen wurden hingegen tiefgeätzt. Auf fotografischem Weg stellte man von der Vorlage ein Diapositiv her, das auf ein Pigmentpapier kopiert wurde. Die Pigmentkopie wurde dann auf die Staubkorn-Kupferplatte gequetscht und in warmem Wasser entwickelt. Zurück blieb ein Gelatinerelief.

Im Jahr 1910 erhielt Rolf Nefgen das Patent für sein Rotogravure-Verfahren. Dabei handelte es sich um den heute tiefenvariablen oder auch konventionell genannten Tiefdruck. Bei diesem sind alle Rasterelemente von annähernd gleicher Fläche, aber verschieden tief.


VOR DEM ZWEITEN WELTKRIEG

•    Druckvorstufe

- Der Glasgravurraster
Schon seit Beginn der Fotografie hatte man versucht, ein Bild mit einem Raster zu zerlegen, um es zu reproduzieren. Dabei wurden die unterschiedlichsten Methoden eingesetzt, um das Bild zu „zerteilen“, also in Punkte zu zerlegen.
Wirklich gelungen ist dies aber erst mit den hochpräzisen Glasgravurrastern, welche in rechteckiger oder runder Ausführung vorhanden waren. Häufiger wurde der „Runde“ eingesetzt, da es damit leichter möglich war, den Raster für den vierfärbigen Druck zu winkeln, um ein Auftreten eines Moirés zu verhindern. Eine große Rolle spielte in dieser Zeit die Firma Klimsch aus Deutschland, die für die Produktion von Glasgravurrastern und hochwertiger Reproduktionskameras bekannt war.
Der Glasgravurraster war ein auf einer Glasscheibe graviertes, gleichmäßiges Gitternetz, mit ca. 5 mm Stärke. Mit Hilfe dieses Rasters wurden Bilder in Rasterpunkte aufgelöst, indem man mittels fotografischer Filmkopie das Material belichtete.
Der Glasgravurraster war sehr teuer, und man musste damit sorgfältig umgehen, um ihn vor Kratzern oder sonstigen Beschädigungen zu schützen.

- Reproduktionskameras
Die Originale wurden auf und in Position (Größe) gebracht, um anschließend mit hoher Lichtintensität  belichtet zu werden. Dabei wurde zumeist ein Filmnegativ hergestellt. Um den geeigneten, seitenverkehrten oder -richtigen Film für das jeweilige Druckverfahren, also Buch-, Offset-, Tief- oder Siebdruck, herzustellen, hat man mit Spiegelsystemen, die man vor das Objektiv schaltete, gearbeitet. Es war wichtig, im Vorhinein zu wissen, wofür der Film benötigt wurde. Eventuelle Filmkorrekturen konnten in der weiteren Verarbeitung durch die Filmschicht belichtet werden, wodurch es zu Verlusten der Schärfe, aber auch der Tonwerte kommen konnte.
Zuerst bestanden die Kameras aus Holz mit Kohlebogenlampen, das waren gepresste Kohlenstaubstäbe, die durch angelegte Spannung einen Lichtbogen erzeugten.
Während die Reproduktionsvorlage beleuchtet wurde, war die Abdeckung der Kamera geöffnet und dahinter eine Kassette eingehängt, in welcher der Film auf einer Scheibe befestigt war. Nach der Belichtung wurde der Film in der Dunkelkammer entwickelt, fixiert und gewässert.
Später wurden die Reproduktionskameras aus Stahl produziert, wobei diese, mechanisch gefertigt, eine höhere Präzision als die alten Holzkameras hatten. Diese Geräte verfügten über automatische Scharfsteller, das bedeutete, dass nach der Einstellung eingekuppelt wurde und über Spindelsysteme (Stahlwellen) die Kamera von der Verkleinerung zur Vergrößerung glitt. Damit ersparte man sich das Nachschärfen.

- Die Vergrößerungsgeräte
Je größer das Dia, umso weniger Schärfeverlust musste in Kauf genommen werden. Deshalb wurden so genannte Vergrößerungsgeräte entwickelt. Um die Farben nicht zu verfälschen, waren dafür tageslichtartige Lichtquellen notwendig. Daher wurde die indirekte Farbauszugstechnik entwickelt, wobei vom Original – gleichgültig ob Aufsichts- oder Durchsichtvorlage – ein Halbtonnegativ hergestellt wurde, um die Vorlage zu vergrößern.
Diese Technologie wurde bis in die 70er und teilweise 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts eingesetzt.
    

•    Siebdruck
Für mehrfarbige Druckarbeiten in kleineren Stückzahlen waren die damaligen Druckverfahren wie Lithografie, Hochdruck oder Tiefdruck zu teuer. Die Ausführung in Handarbeit wäre hingegen viel zu aufwändig gewesen. Durch die amerikanischen Brüder Pilsworth und deren Methode mit Schellack in das Sieb zu malen und Texte aus Papier zu schneiden, um diese anschließend auf dem Sieb zu befestigen, konnten solche Aufträge rationell produziert werden.
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des jungen Druckverfahrens war das „Selectasine-Verfahren“ von 1915 für den Mehrfarbendruck, ebenfalls entwickelt von John Pilsworth. Damit konnte ein mehrfarbiges Bild mit nur einem Sieb hergestellt werden. Die Farbreihenfolge begann mit jener Farbe, welche im Bild den größten Flächenanteil ausmachte. Das Sieb wurde dabei nach jedem Druckvorgang - dem Motiv entsprechend - mit einem Pinsel zunehmend abgedeckt, wodurch eine hohe Passergenauigkeit gewährleistet werden konnte.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Ansätze für Fotoschablonen, wobei entweder die Gaze mit einer lichtempfindlichen Gelatineschicht bestrichen und durch eine transparente Zeichnung hindurch belichtet, oder eine vorher belichtete Schicht auf die Gaze übertragen wurde. Trotz dieser Entwicklung wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Schablonen mittels Schneidfilmen oder in Abdecktechnik angefertigt.

Erst in den 20er Jahren wurde das Selectasine-Verfahren durch Schneidfilme und auf fotografischem Weg erstellte Schablonen abgelöst. Beispiel dafür war das doppelschichtige Schablonenpapier, womit einfache, aber durchaus tadellose Schnittschablonen hergestellt und auf das Druckgewebe übertragen werden konnten.

Beim so genannten „Profilm“ wurde das Motiv aus der sich auf dem Trägerpapier befindenden Schellackschicht geschnitten. Der Schneidfilm wurde dann unter die Seidengaze gelegt und von oben auf das Sieb gebügelt.

In den 30er Jahren wurde außerdem in New York die Firma Ulano gegründet, welche sich auf die Herstellung von Schablonenmaterial spezialisierte und bis heute ein wichtiges Unternehmen in der Filmherstellung darstellt.


50er JAHRE

•    Druckvorstufe

- Der Klischograph
Da der Buchdruck das weitverbreitetste Druckverfahren der damaligen Zeit war, wurde versucht, Klischees möglichst schnell und präzise herzustellen.
1952 gelang Rudolf Hell, einem deutschen Erfinder, die Entwicklung der ersten Graviermaschine, dem Klischographen K 151, welcher erstmals auf der Drupa 1951 vorgeführt wurde. Dabei funktionierte das Gerät folgendermaßen: Die Vorlage wurde mittels Lichtstrahlen abgetastet. Das reflektierte Licht wurde in Stromimpulse umgewandelt, die das Graviersystem steuerten. Ein Gravierstichel „schnitt“ die Rasterpunkte aus einer darunter liegenden Metallplatte aus Zink oder einer Kunststofffolie (Nolar) heraus.
Das Unternehmen konnte mit der Produktion der Klischographen aufgrund der hohen Nachfrage kaum nachkommen. Das Gerät wurde ständig verbessert und weiterentwickelt, sodass 1954 der Farbklischograph F 160 und 1958 der Vario-Klischograph, der über einen Rechner farbkorrigierte Klischees der vier Farbauszüge produzierte, gebaut wurden. Im Jahr 1959 war dann schließlich auch der Farbklischograph für den Tiefdruck, der Helio-Klischograph, marktreif.

- Gradationsveränderung
Eine Bildbearbeitung mittels Film durch Veränderung der Gradation durchzuführen, hatte Gültigkeit seit Mitte der 50er Jahre und bis zum Einsatz der Scannertechnik.

- Die Farbdias
Aufgrund der aufkommenden Farbdias hat man in diesem Jahrzehnt begonnen, mit Farbauszügen zu arbeiten.


•    Siebdruck
In den 50er Jahren schaffte es der Siebdruck endlich, auch in Europa Fuß zu fassen: Auf der Drupa 1951 wurde er erstmals als ernstzunehmendes Druckverfahren für den europäischen Raum vorgestellt. Acht Jahre später, 1959, wird der Begriff Siebdrucker in Deutschland als Berufsbezeichnung anerkannt.


•    Offsetdruck/Flachdruck
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Österreich die ersten kommerziellen Offsetdruckmaschinen, welche bereits in den 20er Jahren in den USA im Einsatz waren. Beinahe parallel dazu wurde die Aluminiumplatte für den Offsetdruck entwickelt und die bis dahin verwendeten, schweren und unhandlichen Lithosteine, wurden sukzessive ersetzt. Die Druckleistungen mit den neuen Aluminiumplatten wurden deutlich erhöht. Darüber hinaus war das rotative Prinzip, in dem die Platte um einen Zylinder gespannt wurde, ein wichtiger Rationalisierungsfaktor, mit dem das Flachbettprinzip abgelöst wurde.
Weltweit durchgesetzt hat sich dieses Druckverfahren aber erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.


60er JAHRE

•    Druckvorstufe

- Die ersten „Scanner“
Anfang der 60er wurde der Glasgravurraster vom wesentlich handlicheren Kontaktraster abgelöst. Diese Raster waren Filme und somit bedeutend billiger als der sehr teure Glasgravurraster.

Parallel dazu wurde von Rudolf Hell der Colorgraph entwickelt. Ohne, dass sie voneinander wussten, lieferten sich Hell und sein britischer Konkurrent John Crosfield einen Entwicklungswettkampf. Am Ende präsentierte Hell seinen Colorgraph und Crosfield in London den Scanatron. Dabei handelte es sich um eine Art Scanner, der mit einer Kathodenstrahlröhre arbeitete.

Man führte dann Farbseparationen mit Hilfe von Filtern durch. Diese waren allerdings aufgrund der „Verschwärzlichung“ noch sehr mangelhaft.

In den 60er Jahren waren Reproduktionsvorlagen wie Dia-Positive, Originalgemälde, Zeichnungen, Drucke, Schwarzweiß- beziehungsweise Farbfotos gängig.
Damals wurden maximal 14-15 Bilder pro Arbeitstag (im Vergleich zu heute: 20 Bilder pro Stunde!) reproduziert.
Der Reproduktionsfotograf bekam von Fotografen, Verlagen und später von Grafikern die Aufträge, gleichzeitig mit den gewünschten Vergrößerungs- und/oder Verkleinerungsfaktor im Vorhinein, z.B. mit der Vorgabe von 115 %.


•    Hochdruck

Zu dieser Zeit wurden die Illustrationen großteils im Hochdruckverfahren reproduziert, da man ursprünglich dem maschinellen Offsetdruck die Qualitätsansprüche nicht zutraute. Generell wurde dieses Druckverfahren nicht sehr ernst genommen: „Man druckt mit Wasser, da kann nichts Gescheites herauskommen!“, war damals die oft zitierte Meinung.

- Der Chemigraph
Was der Lithograf für den Offset bedeutete, war der Chemigraph für die Klischeeherstellung im Hochdruck.
Er hatte die Aufgabe, Klischees für den Hochdruck herzustellen. Dabei wurde das Bild mit Hilfe eines seitenrichtigen Negativfilms fotografisch auf eine lichtempfindliche, beschichtete Zinkplatte aufgebracht und anschließend entwickelt und fixiert. Wo auf dem Rasterbild keine fotografische Schicht mehr war, musste die Plattenschicht vertieft werden, da dies die nichtdruckenden Bildteile waren.
Meistens wurden die Platten bereits beschichtet verkauft, jedoch kam es auch vor, dass man selbst die lichtempfindliche Schicht aufbrachte.

 - Die Konventionelle Ätzung
Diese Methode war bis Mitte der 60er Jahre üblich. Von einem seitenrichtigen Negativfilm wurde das Bild fotografisch auf eine Zinkplatte mit lichtempfindlicher Schicht gebracht und anschließend geätzt.
Nachdem man zuerst die Platten mit einer Schleuder beschichtet hatte, war es später üblich, bereits beschichtete Platten zu kaufen.
An den Stellen auf dem Hochdruckklischee, wo es nach der Fixierung keine fotografische Schicht mehr gab, also die nichtdruckenden Stellen, musste die Plattenoberfläche vertieft werden, um das Prinzip des Hochdrucks zu gewährleisten.
Dabei wurde Asphaltlack, welcher eine strenge Konsistenz aufwies, mit einem Pinsel auf die Platte aufgebracht, damit die im Bild vorhandenen Tonwerte und Verläufe abgedeckt wurden. Anschließend wurden die nichtdruckenden Teile mit verdünnter Salpetersäure geätzt. Nach dem Ätzen musste das Klischee mit Filz abgerieben werden, um die noch vorhandene Schicht zu entfernen, da es sonst den Anschein gehabt hätte, dass nicht geätzt wurde.
Da eine Ätzung nicht gleichmäßig möglich war, weil die Säure den Punkt unten mehr angreift, wurde der Punkt „unterwaschen“, wodurch eine zweite Ätzung für eventuelle Korrekturen nicht mehr möglich war.
Für die Fertigstellung eines Klischees mit dieser Methode benötigte man durchschnittlich 3-4 Stunden.

- Die Einstufenätzung/Dow-Ätzung
Bei der von Dow Chemical Company 1953 in den USA erfundenen Methode der Einstufenätzung wurde das Bild ebenfalls fotografisch auf die Platte kopiert, jedoch anschließend in einer Ätzmaschine auf der Außentrommel befestigt. Die Trommel drehte sich, währenddessen Spritzdüsen, die eine Mischung aus Säure und Flankenschutzmittel gegen das Unterwaschen der Punkte auf die Platte sprühten, die Platte ätzten.
Der Nachteil war allerdings, dass extrem sauber gearbeitet werden musste, da Staubkörner ansonsten „Pickel“, also Erhebungen auf der Platte, erzeugt hätten, die einen fehlerhaften Druck verursacht hätten.
Trotzdem musste auch nach dieser Ätzung noch einmal nachgeätzt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
So wurden in der Stunde wurden ungefähr 10 Klischees erzeugt.

•    Offsetdruck/Flachdruck
Neben dem Reproduktionsfotografen gab es auch den Lithografen:
Diese Berufsgruppe entstand aus der Lithografie, wobei es sich um ein Verfahren handelte, bei dem mit Hilfe eines Lithosteins Drucke hergestellt wurden.
Der Lithograf beurteilte die vom Reproduktionsfotografen belichteten Filme bezüglich deren Farbwerte und führte manuelle Korrekturen durch. Beispiele dafür waren Veränderung der Gradation, Beseitigung von Kratzern oder Farbtonwertkorrekturen.
Die Fähigkeit des Lithografen war es, durch Betrachtung des Films (der einzelnen Farbauszüge) genau zu beurteilen, wie die Farbreproduktion im Druck aussehen würde und ob eventuell noch einige Änderungen der Tonwerte vorgenommen werden mussten. Mit chemischen Mitteln wurden dann Plus- beziehungsweise Minuskorrekturen durchgeführt. Dadurch wurde der Film bearbeitet und somit der Rasterpunkt verändert, vergrößert oder verkleinert. Selbstverständlich konnten auch so genannte Strichaufnahmen im Nachhinein korrigiert werden.
    
•    Tiefdruck
Der von Rudolf Hell entwickelte Helio-Klischograph K 190 löste die fotomechanische Arbeitsweise durch die Elektrogravur ab. Dabei wurden die Bilddaten in Gravurdaten umgerechnet, welche zur Steuerung eines elektromechanischen Gravursystems dienten, dessen Stichel die Informationen in Form von Näpfchen in die Tiefdruckform gravierte. Die Abtastung und Gravur erfolgte mit einer Frequenz bis 4 kHz und liegt heute teilweise bei 8 kHz. Es sollte aber noch einige Zeit dauern, bis die Qualität jener des Ätzens entsprach.

Für die manuellen Korrekturen des Tiefdruckzylinders gab es den Beruf des Tiefdruck-Retuscheurs.

•    Druckfarben
Im Hochdruck wurde für die einwandfreie Bildwiedergabe qualitativ hochwertiges, gestrichenes Papier verwendet. Nur dadurch konnte die Farbwiedergabe – mit makellosen Klischees und individueller Farbstandardisierung – gewährleistet werden.
Im Gegensatz dazu konnte im Offsetdruck auch minderwertiges Papier verarbeitet werden, wodurch es aber zu Problemen in der Farbwiedergabe kam; diesen Mangel versuchte man durch den Einsatz von 6-8 Druckfarben zu kompensieren.
Aus diesem Grund wurde die Entwicklung der Druckfarbennorm für den 4 Farbenprozess „CMYK“ unumgänglich, da die allgemeinen und oberflächlichen Farbbezeichnungen wie „Königsblau“ oder Ähnliches nicht mehr ausreichend waren, um ein einheitliches und vor allem nachvollziehbares Farbergebnis zu erhalten.
Darüber hinaus wurden auch Normen z.B. HKS oder Pantone für die so genannten Schmuckfarben festgelegt.




70er JAHRE

•    Druckvorstufe

- Der Klischograph
Der von Rudolf Hell in den 50er Jahren erfundene Klischograph hatte seine wirtschaftliche Bedeutung erst in den 70er Jahren. Die zu reproduzierende Bildvorlage wurde Strich für Strich elektronisch abgetastet. Parallel dazu wurde das Klischee erzeugt; mit einem Stichel wurden die nichtdruckenden Teile auf der Zinkplatte verdrängt. Trotz der Vereinfachung des Arbeitsvorganges war es notwendig, die einzelnen Farbauszüge und die Gradation richtig auf dem Gerät einzustellen. Wie auch bei der Dow-Ätzung wurde nach dem Klischographen zusätzlich noch einmal nachgeätzt, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.
Der Vorteil von Zinkplatten war, dass dieses Material sehr leicht verdrängt wurde, jedoch waren damit lediglich bis maximal 30.000 Drucke in einigermaßen guter Druckqualität möglich. Deshalb wurden für höhere Auflagen Messingklischees verwendet, welche aber zu hart zum Gravieren waren und deshalb nur geätzt werden konnten.

Der Klischograph konnte zwar keine höhere Geschwindigkeit für die Herstellung der Klischees bieten, dafür aber eine bessere Qualität. Darunter fielen zum Beispiel die nicht unterwaschenen Punkte oder die schöneren Flanken. Die Fertigstellung eines Klischees in der Größe DIN A5 dauerte ca. 20 Minuten und außerdem wurde kein Reprofotograf mehr benötigt, da durch die Abtastung der Vorlage im Klischograph die Herstellung eines Films nicht notwendig war.
Da Ende der 70er Jahre bereits das Offsetdruckverfahren immer mehr an Bedeutung gewann, hatte der Klischograph ausgedient.
Die Geräte verwendete man noch für den Offsetdruck als Filmersatz: Orangebeschichtete und damit lichtundurchlässige Kunststoffplatten mit einer Stärke von 0,8 mm wurden in den Klischographen eingelegt und die Vorlage darauf übertragen. Dort, wo das Licht die Druckplatte belichten sollte, wurde mit Hilfe des Klischographen das Material verdrängt und somit lichtdurchlässig.
Ein Arbeiter bediente dabei meist mehrere Maschinen parallel.

- Die Scannertechnologie
Im Jahr 1971 gelang Rudolf Hell durch die Einführung des DC 300 der weltweite Durchbruch in der Scannertechnik für die Reproduktion.
Die ersten Scannermodelle konnten lediglich Halbton-Positive oder -Negative herstellen und das Bild beziehungsweise die Vorlage im Verhältnis 1:1 zu reproduzieren. Technische Lösungen für das automatische Vergrößern beziehungsweise Verkleinern wurden bald gefunden. Außerdem wurde bei den ersten Scannern noch mit Kontaktrastern gearbeitet, um das Bild in Rasterpunkte zu zerlegen.
Später - Mitte der 70er Jahre - wurde diese Zerlegung mit Hilfe eines Lasers ausgeführt, was selbstverständlich eine revolutionäre technische Lösung darstellte. Durch diese Lasertechnik wurde eine Schärfe erreicht, die mit keiner Technologie vorher erzielt werden konnte. Aufgrund der hohen Investitionssumme für den Trommelscanner, konnten sich zu Beginn dieser Technologie lediglich Spezialbetriebe, das heißt Reproanstalten, einen solchen Scanner leisten. Auch war es zu dieser Zeit noch üblich, dass die unterschiedlichen Berufsbilder z.B. Lithograf, Reproduktionsfotograf, Schriftsetzer, sowie Hoch-/Offsetdrucker nur auf ihr Fachgebiet spezialisiert waren. Das bedeutete, dass ein herkömmlicher Drucker nur bedingt über die Filmherstellung für die Reproduktion Bescheid wusste und es somit nicht sinnvoll war, in diesen Bereich zu investieren.

Dafür waren die Reproanstalten prädestiniert, SW-Reproduktionen, eventuell so genannte „Gigantos“ oder Farbauszüge, für den Offsetdruck herzustellen.
    
Aus den Scannern entwickelten sich die elektronischen Bildbearbeitungssysteme, welche Hell im Jahr 1979 als Chromacom vorstellte.

•    Hochdruck/Flexodruck
Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits den so genannten Anilindruck. Der Begriff Anilindruck rührte von den bunten, in Alkohol gelösten Anilinfarbstoffen her, die man damit hauptsächlich verdruckte, während mit einer flexiblen Druckform gedruckt wurde.
Bis in die 70er Jahre wurde das später als Flexodruck bezeichnete Druckverfahren in der Branche nicht sehr ernst genommen, was auf die mangelnde Qualität zurückzuführen war. Die große Wende kam für den Flexodruck jedoch mit der Erfindung der Photopolymerplatten. Ab diesen Zeitpunkt wurden vermehrt Verpackungsdrucke im Flexodruck hergestellt.

•    Tiefdruck
Erst in den 70er Jahren begann die vollkommene Loslösung vom pigmentpapierabhängigen Ätzsystem durch die elektromechanische Zylindergravur – nach fast einem Jahrzehnt der betriebsabhängigen, parallellaufenden und auch konkurrierenden Anwendung beider Systeme.
Weiters wurde von der Firma Stork 1975 das erste Sleevesystem entwickelt. Dabei handelte es sich um eine Art „Überzug“ der Druckform. Nicht mehr die unhandlichen Druckzylinder wurden dabei bearbeitet, sondern der leichte Sleeve, welcher auf den Zylinder aufgebracht wurde und sowohl geätzt, als auch graviert werden konnte. Bis heute konnte sich diese Technologie noch immer nicht vollständig durchsetzen.


80er JAHRE
•    Druckvorstufe
Die Bildbearbeitung, wie sie heute im „Photoshop“ durchgeführt wird, findet ihre ernsthaften Anfänge zu Beginn dieses Jahrzehnts. Damals waren Korrekturen auf den Bildschirmen allerdings sehr aufwendig und beanspruchten viel Zeit, um das Bild nach dessen Bearbeitung aufzubauen. Eines der führenden Unternehmen in der Produktion kompletter Bildbearbeitungssysteme war die Firma Scitex.
    
Der Anwender des Gerätes betätigte die Tasten auf der so genannten Konsole und überprüfte seine Tätigkeiten auf mehreren Bildschirmen, z.B. Rechenoperationen, Gradation, umgerechnetes Bild etc.
In einem klimatisierten Raum befanden sich große Rechentürme zur Bearbeitung der Daten, die auf unhandlichen Bändern gespeichert waren.   
Mit dieser Technologie verlor die manuelle Reprofotografie ihre Bedeutung für den wirtschaftlichen Einsatz.  

•    Siebdruck
Ende der 80er Jahre und Beginn der 90er Jahre wurde eine neue Schablonenherstellungsmethode für den Siebdruck entwickelt, welche bis heute Verwendung findet – der Kapillarfilm. Dabei handelte es sich um folgendes Prinzip: Auf die Druckseite des nassen Siebes wurde der Kopierfilm mit der Schichtseite aufgebracht. Das Sieb wurde getrocknet, danach die Trägerfolie abgezogen und mit einem seitenrichtigen, positiven Film Schicht auf Schicht im Kopierrahmen kopiert. Anschließend wurde das Sieb entwickelt, getrocknet und war druckbereit.  

•    Tiefdruck
In den 80er Jahren kam es zur Anwendung der Offset/Tiefdruck Konversion. Die  jetzt für den Tiefdruck anwendbaren Hardcopy Proof in Verbindung mit dem stabileren, einfacheren und schneller zu handhabenden Rasterprozess brachte gegenüber dem Halbton viele Vorteile, zum Beispiel die Reduzierung der Tiefdruckandrucke und die Verlagerung der Korrekturen vom Druckformzylinder auf den Film. Die Offset/Tiefdruck Konversion war jedoch nur ein Übergang auf die ab den 90er Jahren immaterielle Vorstufenproduktion.

Bis in die 80er Jahre gab es in Österreich zwei namhafte Tiefdruckunternehmen: Elbemühl und Tusch. Dieses Druckverfahren hat bedauerlicherweise in Österreich keine wirtschaftliche Bedeutung mehr.


90er JAHRE

•    Druckvorstufe
Bis in die Mitte der 90er Jahre wurden die Flachbettscanner technisch weiterentwickelt, sodass ihre Qualität mit der der Trommelscanner nahezu gleichzusetzen war. Lange Zeit hatte man in diese Richtung geforscht, denn obwohl Flachbettscanner billiger waren, wurden sie zunächst wegen der mangelhaften Qualität abgelehnt, bis sich ein Farbtiefenraum von 32 bit mit Hilfe der Mikrochiptechnologie herstellen ließ.
Sukzessive werden heute die Trommelscanner durch Flachbettscanner abgelöst – vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen.  

•    Hochdruck/Flexodruck
Das CtP-Ablationsverfahren aus dem Jahr 1995 funktionierte folgendermaßen: Es handelte sich um ein Zweistufen-Verfahren mit Laserbelichtung einer schwarzen Maske, durch die die eigentliche Belichtung zur Herstellung des Druckreliefs erfolgte.
    
•    Tiefdruck
Die Firma Rotoincisa brachte den Dünnwand-Nickelsleeve mit abziehbarer Kupferhaut 1992 auf den Markt. Dieses System hatte den großen Vorteil, dass der Sleeve entweder für Folgeaufträge aufgehoben, und dabei nicht viel Platz beanspruchte, oder weggeschmissen werden konnte.

Im Jahr 1995 präsentierte die Max Dätwyler AG auf der Drupa die Lasergravur. Dies war allerdings im Gegensatz zu der heute verwendeten Methode ein direktes Gravierverfahren mit einem Laser, bei dem ein Festkörperlaser eine Zinkschicht graviert. Die dabei entstehenden Näpfchen ähneln jenen der Ätztechnik.

HEUTE

•    Hochdruck/Flexodruck
Im Jahr 2000 führte die Direktlasergravur zu einer erheblichen Prozessvereinfachung. Waren bei den Photopolymer- und CtP-Ablationsverfahren mehrere Arbeitsschritte erforderlich, kann die Direktgravur diese Zwischenschritte umgehen. Oftmals wird ein Dreistahl-System verwendet, wobei 3 hintereinander angeordnete Laserstrahlen die Arbeit differenziert in Höhen- und Tiefengravur teilen. Das verdampfte Plattenmaterial (materialgefüllte Plasmawolle) muss während des Graviervorgangs abgesaugt werden.  

•    Offsetdruck
Eine CtP-Anlage für die Belichtung der Platten ist in so gut wie jeder Offsetdruckerei üblich. Damit kann direkt von einer Workstation auf die Druckplatte belichtet werden. Damit entfällt kostenintensives Filmmaterial und Zeitaufwand.

•    Siebdruck
Heute werden im Siebdruck hauptsächlich die Direktfilmschablone oder der Kapillarfilm verwendet. Während ersterer für auflagenhohe Aufträge eingesetzt wird, findet der Kapillarfilm Einsatz bei Aufträgen, die sehr randscharf gedruckt werden müssen.

•    Tiefdruck
Die Firma Hell brachte im Jahr 2000 die Laserbebilderung heraus. Hierbei handelt es sich um die digitale Herstellung von autotypischen Tiefdruckformen. Mit einer schwarzen Lackschicht wird die Druckform beschichtet, danach bebildert und geätzt. Mit diesem Verfahren ist eine feine Textauflösung und Konturschärfe möglich, da der sonst auftretende Sägezahneffekt beinahe ausgemerzt werden kann. Ein weiterer Vorteil sind die frei wählbaren Rasterpunktformen, die exakt den Kundenanforderungen angepasst werden können.
    
    
ZUKUNFTSPROGNOSE

Unsere Gesellschaft tendiert immer mehr zur Individualisierung. Das heißt, dass der Bereich der Personalisierung auch im Druckbereich eine immer größere Rolle spielen wird.
Dies wird zur Verstärkung der direkten Bebilderung in der Druckmaschine führen, sowie zum Ausbau des Digitaldrucks. Für grafische Betriebe bedeutet dies, dass möglichst alle Produktionsschritte in einem Unternehmen durchgeführt werden, wobei dafür immer weniger Arbeitsschritte notwendig werden. „Vom Computer direkt auf die, Druckmaschine’ und auf den Bedruckstoff“, wird die Devise sein.